• Jale

ALLES AUF ANFANG

Wenn du im Leben mal wieder vor dem Abschluss einer Lebensphase stehst, lass dir Folgendes gesagt sein:


Der Peter-Pan-Moment kommt gewiss…




Du denkst vielleicht Meilensteine im Leben sind nur am Anfang schwer und je näher das Ende, desto einfacher und unbeschwerter wird man.

Meine Antwort dazu lautet ganz klar NEIN. Je näher das Ende rückt, desto mehr möchte ich für immer Kind sein und mich all den angsteinflößenden Dingen der Erwachsenenwelt entziehen.


Ich kenne Phasen der blanken Melancholie aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen: Der Abiball, worauf ein komplett neuer Lebensabschnitt als Studentin in einer fremden Stadt folgen sollte. Das letzte Mal in meinem Kinderzimmer vor dem Auszug in meine erste WG. Die letzte Folge meiner Lieblingsserie, der letzte Tag bei einem ehemaligen Arbeitgeber...

Diese Liste könnte ich ewig fortsetzen.


Ich gebe – leicht schambehaftet – zu, dass ich ein absoluter Angsthase bin, wenn ein Lebensabschnitt zu Ende geht und eine komplett neue Phase darauf wartet, von mir erlebt zu werden.

Monate vorher kann ich es kaum aushalten zu warten, erzähle ALLEN begeistert von meinen Plänen, zerbreche mir den Kopf über all die wundervollen Dinge, die ich erleben möchte, hänge mir eifrig Bilder an mein Visionboard und träume während der Meditation von meinem neuen beseelten Leben.

Und kurz vor knapp schaltet sich eine Synapse in meinem Kopf mit einer derartigen Konsequenz um, dass ich plötzlich vor Angst das Gefühl habe einzufrieren.

Mein Gehirn beginnt, all die Gründe, die mich dazu veranlasst haben, einen Lebensabschnitt zu beenden, zu relativieren. Plötzlich fühlt sich jede unangenehme, schmerzhafte Situation aus der Vergangenheit nach Sicherheit und Geborgenheit an. Ist es nicht interessant, wie die Wahrnehmung durch Gefühle wie Angst komplett verzerrt wird?

Momentan stehe ich ebenfalls vor dem Ende eines sehr prägenden Lebensabschnitts für mich. Selbstverständlich beginnt mein kleiner Peter Pan in mir, seine Faxen zu machen. Dieses Mal möchte ich nicht einfach meiner Angst davonlaufen, sondern hinsehen und verstehen.


Woher kommt diese Angst vor dem Neuen?

Für mich gesprochen kann ich Folgendes sagen:

Ich habe Angst, nicht gut genug für den nächsten Schritt zu sein. Ich habe Angst, mich zu irren und in mein Verderben zu rennen. Ich habe Angst, unglücklich mit der neuen Situation zu sein. Ich habe Angst zu scheitern. 

Ich habe Angst zu bereuen. Ich habe Angst davor, Verantwortung zu übernehmen.


So unangenehm diese Erkenntnis auch ist, so wichtig ist sie meines Erachtens, um der Angst ihre Bedrohlichkeit zu nehmen. Zu realisieren, dass man Angst vor der eigenen Performance in einer spezifischen Situation hat, zeigt doch, dass man selbst seines Glückes Schmied ist.


Wie viel schlimmer wäre es, wenn andere Macht über dich hätten? Die Wahrheit ist jedoch, DU bestimmst über das Gelingen oder Scheitern. Du bestimmst darüber, WIE du eine Situation bewertest.


Wenn du dich dafür entscheidest, das Konzept von Fehlern und richtigen Entscheidungen aus deinem Leben zu streichen und dir erlaubst, Erfahrungen zu machen, aus denen du nur lernen kannst, nimmst du dir all die Kraft zurück für ein selbstbestimmtes Leben.

Um es hart auszudrücken: Solange du keine Verantwortung für dich übernimmst, wirst du immer abhängig von anderen sein. So lange du keine Verantwortung für dich übernimmst, machst du dich selbst kleiner und deine Angst größer als dich selbst.


Das Schlimmste, was dir passieren kann, ist doch, dass du daraus lernst. Um dann wieder, an einem bestimmten Moment im Leben mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sagen: ALLES AUF ANFANG.

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© Jale Pakhuylu, 2020 

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