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Durch den Krebs zum inneren Frieden – Eine Geschichte über Kendra Zwiefka


Was ist, wenn es einen Menschen gibt, der genau das durchlebt hat, wovor du am meisten Angst hast? Was ist, wenn diese Person durch dieses Erlebnis gelernt hat, dass hinter jeder Angst, jedem Schmerz ein großes Geschenk liegt? Und was ist, wenn du dieser Person im echten Leben begegnest und lernst, vor nichts mehr Angst haben zu müssen?


Meine erste Begegnung mit Kendra war ein Video, welches sie in einem Forum zur Persönlichkeitsentwicklung hoch lud, um von ihrer Chemotherapie zu erzählen. Sie führte bei jedem Durchgang Traumreisen durch und erzählte dann, an welchen Orten sie gewesen war. Als ich sie zum ersten Mal sah, liefen mir die Tränen über die Wange. Aus meiner eigenen Familiengeschichte ist das Thema Krebs mit sehr viel Leid, Pessimismus und Angst verbunden. Kendras Zugang hingegen war voller Liebe, Würde und Akzeptanz. Sie strahlte Dankbarkeit in einer beinahe absurden Szenerie aus und ich fühlte mich beschämt, Gesundheit als so selbstverständlich zu behandeln.


Es ist das Jahr 2018. Kendra, eine junge Mutter, äußerlich fit und vital, zeigt sich der Welt auf social media. Kendra ist im Network Marketing tätig und inspiriert durch ihre Persönlichkeit ihre Follower*Innen. Sie teilt Gedanken über Spiritualität und motiviert zu gemeinsamen Sportrunden. Ganz nebenbei kümmert sie sich liebevoll um ihre zwei Kinder – eine richtige Powerfrau.

Eines Tages entdeckt sie unter der Dusche eine Verhärtung in der Brust und geht vorsichts-halber zum Arzt, mit der festen Überzeugung, sich beim Sport eine kleine Muskelverletzung zugezogen zu haben. Ihrer Community berichtet sie vor dem Termin nichtsahnend davon. Ihr Leben wird wenige Stunden später durch die Diagnose auf den Kopf gestellt.


Die Krankheit, die sie aus dem Nichts einholt, hat ihrer Mutter und ihrer Tante das Leben gekostet. Kendra vertraut sich ihren engsten Personen an. Sich der breiten Öffentlichkeit zu stellen, stellt sie allerdings vor eine große Herausforderung. „Ich wusste, ich muss es mit der Community teilen. Zum einen, weil ich es einfach rauslassen musste für mich selbst, und zum anderen, weil ich einfach nicht lügen wollte“, sagt Kendra und schaut dabei mit glasigen Augen in die Ferne. Ihr Blick spiegelt die Ängste wider, die sie in der Situation durchlebt haben muss. Aus diesem Geständnis wächst innerhalb kurzer Zeit eine Bewegung an. Kendra teilt ihre Erkrankungsgeschichte von Anfang an, mit der festen Überzeugung, gesund zu werden. Trotz der schwierigen Umstände gibt Kendra nicht auf, an sich und ihrer Persönlichkeit zu arbeiten. Sie holt sich Conny, eine Seelenwegbegleiterin, zur Hilfe und arbeitet sich durch all die Belastungen und negativen Limitierungen, die sie sich in der Vergangenheit aufgrund von Erfahrungen angeeignet hat. Für Kendra hat die Krankheit eine Verbindung zur Seele. Sie sieht in der Situation für sich einen Hilfeschrei, endlich auf ihren Körper zu hören. „Ich musste nun zur Ruhe kommen, anders ging es nicht. Krebs ist keine Krankheit. Krebs ist nur Leben oder Tod – es gibt nichts dazwischen. Krebs ist der Weckruf, der dich erreicht, wenn du schon lange gegen dich selbst gearbeitet hast.“ Kendras Lebensgeschichte wurde durch den frühen Verlust ihrer Mutter geprägt, die dem Brustkrebs erlag, als Kendra gerade einmal 17 Jahre alt war.

Kendra und ich sind innerhalb weniger Minuten tief ins Gespräch über das Leben und dessen höheren Sinn eingestiegen. Ihre Augen strahlen eine derart durchdringende Lebendigkeit aus, das sich diese beinahe auf mich zu übertragen scheint.

„Ich habe nicht eine Sekunde daran geglaubt, dass ich es nicht schaffen kann“, sagt sie. „Man kann nur heilen, wenn man die Krankheit annimmt anstatt gegen sie zu kämpfen. Heilung beginnt dort, wo man akzeptiert, was ist und Frieden schließt.“ Für mich als Außenstehende sind ihre Worte ergreifend und aufbauend zu gleich. Dennoch habe ich diese Worte bereits öfter gehört und sie - ehrlich gesagt - als Floskeln abgetan. Die Situation stimmt mich nachdenklich. Ich sehe Kendra an und kann mir nur schwer vorstellen, welche immensen Kräfte im Inneren aktiv sind, sich solch einer bedrohlichen Situation zu stellen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie stark man fähig sein muss zu vertrauen, um mit Liebe durch diesen Prozess zu gehen. Und trotzdem lässt mich der Anblick dieser Frau daran glauben, dass Liebe und Vertrauen sogar in Phasen der Krisen bedingungslos vorhanden sind.


Für Kendra schien die größte Angst in den schweren Zeiten eine andere zu sein: die Sichtbarkeit. Kendra beginnt wenige Wochen nach der Diagnose Videos bei YouTube zu ihrer Krankheitsgeschichte zu teilen. „Es ist die Herausforderung, auf fremde Menschen zuzugehen und sie zu begeistern“, erwidert Kendra in ihrem ersten Video vor zwei Jahren auf die Frage, warum sie nun den Channel gründete.


Inzwischen ist nicht nur der Krebs geheilt, Kendra unterstützt und inspiriert mittlerweile tausende Frauen, unter ihnen auch einige Betroffene, mit ihrer Geschichte. Was nach einer märchenhaften Heilung klingt, hat die junge Frau nicht nur vor körperliche, sondern auch mentale Herausforderungen gestellt. Kendra erzählt, dass es stets Menschen gab, die ihre positive Art, mit der Krankheit umzugehen, nicht nachvollziehen konnten und sich sogar persönlich angegriffen fühlten. Sie versuchte zu jeder Zeit in einem positiven Umfeld zu sein und mit Dankbarkeit durch den Prozess zu gehen: „Es gibt immer wieder Frauen, die ihrer Krankheit leider erliegen. In solchen Momenten bin ich umso dankbarer, am Leben zu sein und kämpfe für diese tollen Frauen mit, indem ich ihnen eine Stimme gebe“, sagt Kendra demütig. Sie ist Teil des Vereins Lebensheldin und möchte auch beruflich langfristig so vielen Frauen wie möglich helfen, mit ihrer Erkrankung umzugehen und die seelischen Ursachen dahinter aufzuarbeiten. Außerdem kämpft Kendra dafür, Frauen für die Vorsorge zu sensibilisieren, indem sie regelmäßig bei social media auf das eigene Abtasten hinweist.


„Was würdest du deinem 25-jährigen Ich raten?“, frage ich. „Mein 25 jähriges ich, Du bist gut genug wie du bist, du bist schön, du hast alles, was du brauchst. Lass dich nicht von social media davon abbringen, du selbst zu sein. Hör auf dich und dein Herz, gehe deinen Weg und sei mutig. Versteck dich nicht und sei dankbar.“ Es ist, als wäre ich in diesem Moment eine junge Version der Frau, die mir gegenüber sitzt. Obwohl wir uns erst vor wenigen Minuten das erste Mal begegnet sind, resoniert jeder Ratschlag mit mir.


Zum Schluss möchte ich wissen, wovor Kendra noch Angst hat. "Ganz ehrlich? Ich habe vor gar nichts mehr Angst. Ich vertraue, dass ab jetzt nur noch das Beste auf mich wartet" antwortet Kendra.


Ich habe mir dieses Gespräch anfangs anders vorgestellt. Ich habe eine Schwere erwartet, die über der Thematik lasten wird. Nun gehe ich gestärkt und voller Vertrauen in das Leben aus dem Café. Was ich von der Begegnung mitnehme? Zeit ist ein Geschenk. Vergeude keine Sekunde länger, gegen deinen Herzensweg zu leben. Entscheide dich für dich und für deine Leidenschaft. Liebe mehr. Liebe dich selbst. Hör auf zu kämpfen, beginne Frieden mit all den Umständen zu schließen, die in deinem Leben vorherrschten bzw. vorherrschen. Hol dir deine Macht zurück und arbeite an dir. Glaube an dich und vertraue bedingungslos. Lebe so, wie dein Herz es dir vorgibt, bevor dein Körper dir signalisieren muss, dass du zu lange schon den falschen Weg gehst.


Ich sehe Krankheit ab heute in einem neuen Licht.


Danke Kendra. Du bist eine Heldin.




Falls du Kendra Kontaktieren möchtest, findest du sie bei Facebook, YouTube und Instagram als Kendra Zwiefka.

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© Jale Pakhuylu, 2020 

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